Des Henly's Rock and Roll Circus

International articles (Denmark, Germany, Spain)

fans - magazine
November 1973

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Auferstehung der frühen Rock-Jahre?
Fumble reitet auf der Oldies-Welle

Englische Fachzeitungen hatten noch kaum Zeit, sich ausführlicher mit ihnen zu beschäftigen, da zog es sie auch schon nach Deutschland: FUMBLE scheinen es verdammt eilig gehabt zu haben, sich bei uns noch eher als in ihrer englischen Heimat einen Namen zu machen.

Dabei muß man sich fragen, ob die Gruppe überhaupt gut genug ist, um international Beachtung zu finden! In Hamburg jedenfalls lag sie kaum über dem Durchschnitt. Auffallend allenfalls ihr Äußeres, der Nostalgiewelle angepaßt. "Long Tall Ernie" und seine SHAKERS machen das jedoch zweifellos origineller.

Erinnert ihr euch an die Zeiten, als der Rock noch jung war? Als Drum-Kits und andere Instrumente zusammengepackt und mit dem nächsten Omnibus oder der Underground dorthin geschafft wurden, wo man zu spielen hatte? Damals war es nämlich noch "fun", wenn man irgendwo auftrat. Diese alten Zeiten kehrten nach London zurück, als FUMBLE dort während des kürzlich abgehaltenen "Alexandra's Palace" - Musikfestivals auftraten. Dort gelang der Gruppe anscheinend, was ihr in Deutschland vorerst noch versagt bleiben dürfte: Bescheidenes Aufsehen zu erregen. Man hatte auch viel Zeit dazu. Genau 10 Tage lang "fummelte" sich FUMBLE durch das Festival, einmal täglich wurde gespielt.

Und sie waren glücklich darüber, die Boys aus der Band. "Am besten kamen wir bei den Leuten an, nachdem wir statt in der großen in der kleinen Halle spielen konnten", meint der "Boß", Gitarrist Des Henly. "In der Haupthalle war die Akustik einfach zu schlecht." Welch ein Glück für euch, Leute, daß ihr umziehen durftet.

Aber so interessant finden wir das eigentlich gar nicht! Habt ihr nichts Besseres auf Lager?

"Höchstens noch, daß wir unsere Band aus Freundschaft zueinander gründeten", fährt Henly fort.

Na bitte, das ist doch schon ein besserer "Aufhänger"!

Des Henly, Mario Ferrari (Baß), Sean Mayes (Piano) und Barry Pike (Drums) spielen also zusammen, weil sie Freunde sind. Was sie so spielen, wenn sie spielen?

Nun, hauptsächlich eben Goodtime-Rock wie "Poetry In Motion", "Ebony Eyes" und "Hound Dog", letzteres aus der Elvis-Klamottenkiste. Aber auch eigene Kompositionen, denn schließlich plagieren sie ja nicht nur. Alles klingt so richtig schön gestrig, wie aus den frühen Sechzigern. Wie mir scheint, allerdings auch nicht einmal annähernd so gut wie damals. Nun, wer's mag, der muß es denn ja wohl mögen...

Von Jürgen Steinhoff
Fotos: Rainer Drechsler